Geschichte der Gemeinde Neunkirchen und Neckarkatzenbach

Die Dörfer Neunkirchen und Neckarkatzenbach, die heute die Gemeinde Neunkirchen bilden, wurden nach dem 10. Jahrhundert vom Bistum Worms in einem ursprünglich unbesiedelten, königlichen Waldgebiet gegründet. Das Dorf Neunkirchen, archivalisch seit dem ausgehenden 13. Jahrhundert bezeugt, führt sein Gründungsdatum auf die Ersterwähnung seiner Kirche im Jahr 1298 zurück, die mit einer Reihe von umliegenden Orten einen Pfarreibezirk bildete. Damit verknüpft war ein Marktrecht, das Neunkirchen zentralörtliche Funktionen sicherte. Im Gegensatz zu Neunkirchen wird Neckarkatzenbach bereits um 1080 erstmals erwähnt, in dem kleinen Weiler hatte der regional bedeutende Diemar von Trifels Grundbesitz. Im 13. Jahrhundert gehörten beide Dörfer sowie die benachbarten Burgen Stolzeneck und Minneburg zum Reichsterritorium um Wimpfen. In Neunkirchen und in anderen Orten des Kleinen Odenwalds ist ansehnlicher Grundbesitz des Stiftes Wimpfen nachweisbar.

Nach dem Zusammenbruch der Reichsherrschaft gelangte die von staufischen Dienstmännern erbaute Burg Minneburg schrittweise in den Besitz der Dorfherrschaft von Neunkirchen und Neckarkatzenbach. Während in Neunkirchen auch die benachbarten Burgen Schwarzach und Zwingenberg grundherrliche Rechte an sich brachten, blieb Neckarkatzenbach unter der ausschließlichen Herrschaft der Minneburg. Mit dem Kauf der Minneburg 1349 wurden beide Dörfer pfälzisch. Zur Burg gehörten eine Reihe von weiteren Orten im Kleinen Odenwald, ebenso der räumlich getrennt liegende Leidenharterhof, heute der kleinste Gemeindeteil von Neunkirchen. Die Untertanen zu Neunkirchen und Neckarkatzenbach unterstanden der niederen Gerichtsbarkeit der Minneburg, auch die nach Schwarzach und Zwingenberg zinspflichtigen Häuser und Hofstätten in Neunkirchen. Die Inhaber der Burg zogen als Grundherrschaft die Abgaben der ihr unterstellten Dörfer ein, die Untertanen mußten ihnen Frondienste leisten. Die übergeordnete Zenthoheit und die sonstigen Hoheitsrechte über Neunkirchen und Neckarkatzenbach übte der Pfalzgraf aus in seiner Eigenschaft als Inhaber der Reichartshausener Zent bzw. als Landesherr.

Von kurzen Phasen unterbrochen, wurde die Minneburg von den Pfalzgrafen bis in die frühe Neuzeit hinein an niederadlige Geschlechter verpfändet. Im frühen 16. Jahrhundert ließ Wilhelm vom Habern, ein hoher pfälzischer Beamter, als Pfandherr die Minneburg zu der noch heute erkennbaren repräsentativen Form umbauen. Nach dem Ende der Pfandschaft seiner Söhne richtete die Kurpfalz dort 1566 ein Unteramt (Kellerei) ein, das für den Burgbezirk zuständig war. Die herrschaftlichen Rechte übten seither die kurpfälzischen Keller (Beamte der Finanzverwaltung) aus. Während die Minneburg, die 1622 belagert und erobert wurde, nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs ihre Funktion verlor und teilweise abgerissen wurde, behielt die Kellerei, die seit 1663 ihren Sitz in der benachbarten Burg Schwarzach hatte, bis zum Ende der Kurpfalz (1803) für Neunkirchen und Neckarkatzenbach ihre administrative Bedeutung.

Die Dörfer Neunkirchen und Neckarkatzenbach fielen 1803 an das spätere Großherzogtum Baden. Sie durchliefen im badischen Staatsverband die allgemeinen politischen und wirtschaftlichen Wandlungen von der feudalen Herrschaftsform zu einer von liberalen Reformgedanken geprägten Gesellschaftsordnung. Die allgemeine Not des 19. Jahrhunderts zwang einen großen Teil der Einwohner von Neunkirchen zur Auswanderung, vornehmlich nach Amerika. Die Gedanken der politischen Erneuerungsbewegung, die in der Revolution von 1848/49 mündeten, fanden daher auch in Neunkirchen nicht von ungefähr einen starken Widerhall. Mit der bereits vorher eingeleiteten, gesetzlich verankerten kommunalen Autonomie gewannen sowohl Neunkirchen wie Neckarkatzenbach die notwendigen Gestaltungsräume für ihre Bürger. Die seit dem frühen 20. Jahrhundert stagnierende Bevölkerungszahl erhielt trotz der Lücken, die besonders der Zweite Weltkrieg riß, durch die, von den Siegermächten zugewiesenen deutschen Heimatvertriebenen einen bedeutenden Zuwachs. Als Auswirkung der kommunalen Gebietsreform wurde die bisher selbständige Gemeinde Neckarkatzenbach mit Wirkung vom 1. April 1972 ein Ortsteil von Neunkirchen.

Die Industrialisierung und strukturelle Veränderungen wie der Eisenbahnbau beschleunigten die Auflösung überlieferter sozialer Bindungen, Landwirtschaft und örtliches Handwerk traten seit dem frühen 20. Jahrhundert in ihrer Bedeutung zurück. Trotz der Ansiedlung von Industriebetrieben und der sonst in der Gemeinde zur Verfügung stehenden Arbeitsplätze in Handwerk, Landwirtschaft und Dienstleistungsgewerbe überwiegt heute die Zahl der erwerbstätigen Auspendler. Zur Gemarkung Neunkirchen gehört auch die durch einen Geländetausch erworbene Ruine Stolzeneck, die seit 1284 in pfälzischen Besitz und wie die Minneburg an niederadlige Geschlechter verpfändet war. Sie hatte allerdings keine herrschaftlichen Bindungen zu Neunkirchen, zählte aber zum Bezirk der dortigen reformierten Pfarrei. Der Pfalzgraf ließ Stolzeneck wegen der festgestellten Baufälligkeit und der hohen Unterhaltungskosten bereits 1612/13 abbrechen.

Die Gemeinde hat sich seit der kommunalen Gebietsreform zu einer attraktiven Wohngemeinde entwickelt. Die Einwohnerzahl ist gewachsen, wozu neue Baugebiete in beiden Ortsteilen und eine Vergrößerung der besiedelten Flächen beigetragen haben. So konnten jungen Menschen im Ort eine Perspektive geboten und Neubürger angezogen werden. In einem seit 1976 ausgewiesenen Gewerbegebiet bieten Betriebe vielfältige Arbeitsplätze an. Mit Dorfentwicklungsprogrammen ist in den letzten 15 Jahren eine eindrucksvolle Sanierung des Dorfkerns wie der Ortsdurchfahrten von Neunkirchen und Neckarkatzenbach gelungen. Im Oberdorf von Neunkirchen entstand ein Bürgerhaus. Durch die Gründung eines genossenschaftlich organisierten „Bürgermarktes“ konnte die örtliche Nahversorgung trotz des Verlustes von Dienstleistern gesichert werden. Neben Gaststätten ist ein Hotel mit Schwimmbad im Ort vorhanden.
In der Gemeinde gibt es eine attraktive Kinder- und Schülerbetreuung und für Senioren Betreutes Wohnen in einem Pflegewohnpark.
Der Erhalt der natürlichen Bedingungen, der Landschaft und des Kulturguts wird gepflegt. In der Gemeinde gibt es ein intensives Vereinsleben, das ehrenamtliche Engagement wird gefördert. Höhepunkte im dörflichen Jahreslauf sind das weitbekannte Kirschenfest und die „Neikercher“ Kerwe. Das Heimatmuseum erinnert seine Besucher an ältere Lebensbedingungen und Berufe.
Mit Augenmaß werden die Aufgaben der Zukunft angegangen. Die vorhandene Infrastruktur soll erhalten, die Verfügbarkeit des „schnellen Internets“ weiter verbessert werden.

Dr. Rüdiger Lenz