Kerwe mit Kaiserwetter: Neunkirchen feierte von Samstag bis Montag

08.09.2025

Kerwe mit Kaiserwetter: Neunkirchen feierte von Samstag bis Montag
Kerwe mit Kaiserwetter: Neunkirchen feierte von Samstag bis Montag

Bei schönstem Kaiserwetter eröffnete Neunkirchen den Reigen der Kerwe-Feierlichkeiten im Kleinen Odenwald.

Bei schönstem Kaiserwetter eröffnete Neunkirchen den Reigen der Kerwe-Feierlichkeiten im Kleinen Odenwald. Wieder einmal war die Hauptstraße rund ums Rathaus gesperrt, um Platz für Verpflegungszelte, Jahrmarktbuden, Tische und Bänke zu machen. Für die Kinder wurde ein Karussell aufgestellt und die Trampoline wurden von den Kindern ebenfalls sehr gerne genutzt. Auch die Jugend und die jungen Erwachsenen sind gerne dabei, denn zur Kerwe kommen auch Studenten und Ex-Neunkirchener gerne nach Hause und treffen Freunde von früher. Die Kerwe ist ein Fest von den Neunkirchenern für die Neunkirchener. Neben dem Sportverein SVN Neunkirchen, die Freiwillige Feuerwehr und der Männergesangverein Rauhe Kehlen sorgen auch die örtlichen Gaststätten dafür, dass kein Magen hungrig und keine Kehle trocken bleibt. Das Speisenangebot war auch in diesem Jahr sehr reichhaltig, sogar für Fans der fleischlosen Kost war ein leckeres Knödel-Pilz-Gericht dabei. „Ich bin froh, dass alles reibungslos läuft und das Angebot so gut angenommen wird“, sagte Neunkirchens Bürgermeister Bernhard Knörzer „Selbst an der Nahwärmebaustelle haben die Bauarbeiter eine Punktlandung hingelegt und die Schwanheimer Straße rechtzeitig fertiggestellt.“ Bei der Eröffnung am Samstagabend lobte der Bürgermeister auch die Schaustellerfamilie Julius Mai und Söhne, die seit vielen Jahren die Kerwe beleben – gebrannte Mandeln und Schaumküsse, Softeis und Schießbude dürfen dabei natürlich nicht fehlen. Mit Spannung wurde am Eröffnungsabend die Predigt des Kerwepfarrers erwartet. Diesmal wechselten sich Marc Kaiser und Max Knörzer beim Predigen ab, denn mit zwei weinenden Augen verabschiedet sich Marc Kaiser von diesem besonderen Amt: „Es war mir eine große Ehre, 14 Jahre als Kerwepfarrer dabei zu sein“, sagt er. „Nächstes Jahr bin ich nur noch als Privatmann dabei, und das ist schade.“ Doch für Nachwuchs ist gesorgt, denn Max Knörzer übernimmt, und zwei neue Kerweborschte bereichern das derzeit neunköpfige Komitee. Die Predigt gab wieder einmal Vorfälle und Unfälle des vergangenen Jahres preis. Marc und Max erzählten „Neikercher Dorfgeschichten“ wie den unfreiwilligen Ausflug eines Bürgers in einen Schwimmteich, den Leiterfall eines Landwirts und sogar einen Schuss in die Fensterscheibe eines Neunkirchener Bürgers. Vor allem aber habe man die „Lüge des Jahrtausends“ aufgedeckt, denn es gebe keine Nahwärme in Neunkirchen. Dafür nannten die Kerwepfarrer drei „Beweise“, denn erstens stehe auf dem Schachtdeckel in Rathausnähe das Wort „Fernwärme“, zweitens grabe die Mannheimer MVV gerade ein riesiges Loch zwischen Leimen und Gaiberg, um Neunkirchen ans Mannheimer Kohle-Heizkraftwerk anzuschließen. Und drittens gebe es „mysteriöse Parallelen“ zu den Neuanschaffungen der Rathausmitarbeiter: Der neue Schlepper des Bürgermeisters, das neue Auto des Hauptamtsleiters und die Umgestaltung des Gartens der Rechnungsamtsleiterin seien wohl finanziellen Anreizen der MVV zuzurechnen? Nach dieser und weiteren (nicht ernst gemeinten) Beobachtungen der Kerwepfarrer trat das ganze Komitee zur Taufe der Schlumpel mit Namen „Bernhardett Dinkeldein das undichte Schul(er)-Mädle“ – eine Anspielung auf die Nahwärmebaustelle, die Neunkirchen schon das ganze Jahr lang in Atem hält. Sie wurde sogleich an ihren Platz im ersten Stock des Rathauses gebracht, wo sie im geöffneten Fenster über die Kerwe wacht. Unvergessen ist der peinliche Vorfall des vergangenen Jahres, als das Kerwekomitee aus Schönbrunn-Haag nachts mithilfe einer Leiter auf das rutschige schräge Glasdach über der Rathaus-Eingangstür stieg und unter Nichtachtung jeglicher Gefahr die Schlumpel klaute. Deshalb gelobten die beiden neuen Kerweborschte auch, die Schlumpel zu bewachen und zu verteidigen. Kerweborscht zu sein, das empfinden die jungen Männer als Ehre. Sie repräsentieren gerne die Jugend Neunkirchens. Dazu gehört es, auch mal über die Stränge zu schlagen und mehr zu trinken, als guttut. Es heißt, dass manche Eltern oder Großeltern ihren Söhnen und Enkeln eine Reise oder den Führerschein nur unter dem Vorbehalt schenken, dass sie sich nicht als Kerweborscht einspannen lassen. Ob die anderen jungen Männer so viel weniger trinken, das steht auf einem anderen Blatt. Nach dem Fassanstich, diesmal vom Bürgermeister und Kerwepfarrer gemeinsam ausgeführt, war die Kerwe offiziell eröffnet. Der Lohrbacher Spielmannszug spielte noch einige Stücke und sorgte damit auch für einen schönen musikalischen Rahmen. Währenddessen konnten die Besucher ein Freibier aus dem großen Fass trinken oder sich eine leckere Kerwebowle am Bürgermarkt holen. Zur Kerwe gehörte auch der ökumenische Gottesdienst am Sonntagmorgen, diesmal in der katholischen Kirche. Die evangelische Kirche wurde für den Nachmittagskaffee kurzerhand zur Caféteria umgestaltet und lockte mit leckeren Kuchen und Torten der Neunkirchener Hobby-Bäckerinnen. Schließlich traf man sich am Kerwemontag zum traditionellen Mittagstisch, den auch die ortsansässigen Firmen besuchen. Außerdem waren alle im Ort tätigen Baufirmen am Montag zum Essen und Trinken eingeladen und stärkten sich mit Hähnchen und Schnitzel, Bratwurst und Pommes. Doch auch die schönste Kerwe ist einmal zu Ende: Feierlich wurde die Schlumpel am Montagabend dem Feuer übergeben. Nur dem beherzten Eingreifen eines Gemeinderats ist es zu verdanken, dass sie diesmal nicht entführt wurde –man munkelt, dass fünf junge Männer – vermutlich aus Neunkirchen – versuchten, mit einer Teleskopstange die Strohpuppe zu entwenden. Der Bürgermeister einer Nachbargemeinde bemerkte den Versuch und rief den Burschen zu: „Wollt ihr eure eigene Schlumpel klauen?“ Dadurch wurde ein Gemeinderat aufmerksam, griff ein und nahm den Jugendlichen die Teleskopstange ab. Eigentlich hätten die jungen Männer ihr Werkzeug am nächsten Tag wieder abholen dürfen – doch statt einer Rückgabe wanderte die Stange ins Rathaus, wo sie nun als kurioses Beweisstück der Kerwegeschichte dient. Die Kerweborschte bereiteten der geretteten Schlumpel ein würdiges Begräbnis, worauf die Besucher die Kerwe gemütlich ausklingen ließen. Also, auf ein Neues bei der Kerwe 2026! 

Statements zur Kerwe 2025 

„Früher hat sich die Kerwe in den Wirtshäusern abgespielt, mittlerweile hat sich das verändert. Wir sind sehr stolz auf unsere Neikercher Kerwe, vor allem, weil sie direkt im Ortszentrum rund ums Rathaus und damit mitten im Dorf stattfindet. Es ist eine Kerwe für alle, und die Vereine legen sich mächtig ins Zeug, damit die Leute Spaß haben und gut versorgt sind.“ 
Bernhard Knörzer 

„Es ist ein schönes Fest, das die Neikercher Tradition aufrechterhält. Ich bin mit der Kerwe aufgewachsen und treffe hier alte Freunde, die mittlerweile ganz woanders wohnen. Für unseren Verein ist es eine wichtige Einnahmequelle.“ 
Jari Böhlmann, SVN 

Mit 18 wurde ich gefragt, war zuerst Kerwediener, dann Kerweborscht und schließlich Kerwepfarrer. Wir sammeln das ganze Jahr Geschichten für die Kerwepredigt, manche erzählen wir so, wie sie sich zugetragen haben, andere werden ausgeschmückt oder verändert. Hauptsache, die Leute können lachen. Ich werde das Ehrenamt sehr vermissen!“ 
Marc Kaiser 

„Die Kerwe macht viel Arbeit, ist aber ein schönes Fest. Die Rauhen Kehlen steuern am Samstagabend Wildgulasch bei, am Sonntag stehen wir am Grill und reichen Altbier zur Thüringer Wurst. Dabei ist auf meine Männer Verlass – der Schichtplan wird immer besetzt und jeder weiß, was er zu tun hat.“ 
Matthias Knörzer, MGV Rauhe Kehlen 

„Die Kerwe ist schön stressig. Schön, weil man viele Leute sieht und das Wetter so toll ist. Stressig, weil Dienste besetzt werden müssen. Ich würde mir wünschen, dass noch mehr Neunkirchener Neubürger kommen würden.“ 
Oliver Trautmann, Freiwillige Feuerwehr Neunkirchen 

Danke! 

  • Die Gemeinde bedankt sich bei allen, die in irgendeiner Weise zum Gelingen der diesjährigen Kerwe beigetragen haben. Insbesondere möchten wir uns bedanken bei: der Feuerwehr, 
  • dem Sportverein, 
  • dem MGV Rauhe Kehle und 
  • der Bürgermarkt Neunkirchen eG 
  • beim Spielmannszug Lohrbach für die musikalische Umrahmung der Eröffnung 
  • bei den Macherinnen und Machern von unserer diesjährigen Kerweschlumpel 
  • bei den örtlichen Gastronomen 
  • bei der Schaustellerfamilie Mai 
  • den Konfirmanden für die Betreuung der Hüpfburg 
  • der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde 
  • bei den Kerweplatz-Anwohnern, die aufgrund der Straßensperrung und des nächtlichen Treibens, wieder Beeinträchtigungen hinnehmen mussten, 
  • insbesondere danken wir Familie Tausch, Familie Leibfried, Familie Dürnsteiner, Frau Sautter und Familie Sommer, die ihre Höfe für Verpflegungsstände, Bars und Essensstände zur Verfügung gestellt oder die uns mit Strom- und Wasseranschlüssen unterstützt haben. 
  • Bei der Feuerwehr und dem Bauhof für die Reinigung des Kerwe-Areals am Sonntagmorgen 
  • sowie Reinhard Trautmann für die Betreuung und Reinigung des Toilettenwagens
  • beim Kerwekomitee, unseren Kerwedienern, Kerweborscht und den Kerwepfarrern Marc Kaiser und Max Knörzer 

und natürlich bei allen „Kerwebesuchern“ aus nah und fern, die das Angebot so zahlreich genutzt haben.