Aus dem Gemeinderat, 24.09.2026

01.10.2026

Gemeinderat Neunkirchen berät über Holznutzung

Dramatische Entwicklung im Wald

Dürreschäden im Wald Sommer 2026
Dürreschäden im Wald Sommer 2026

Der Hitzesommer 2026 fordert seinen Tribut: Seit der Waldbegehung des Gemeinderats vor zwei Monaten anlässlich der zehnjährigen Forstplanung hat sich die Lage dramatisch verändert. Vor der Gemeinderatssitzung machte sich der Rat vor Ort mit verschiedenen Waldbildern vertraut. „Statt der üblichen etwa 1000 Millimeter Regen je Quadratmeter haben wir aktuell nur knapp 400 Millimeter Wassersäule“, berichtete Bürgermeister Bernhard Knörzer. „Vor allem die älteren, südexponierten, flachgründigen und vorgelichteten Buchenbestände weisen hochgradige Entlaubungsprozesse auf.“ Diese Bäume werden in den nächsten Jahren absterben, und auch den Lärchen setzt die Trockenheit heftig zu: „Im Gemeindewald Neckarkatzenbach sehen wir schon eine massive Braunfärbung der Buchenblätter, bis hin zu gänzlich vertrockneten Bäumen. Bei der Baumart Lärche entwickelt sich der Borkenkäfer dramatisch und bedroht die vorgeschädigten Bestände. In einigen Beständen könnt es dadurch schon zu einem flächigen Absterben der Lärchen. Die Baumart Fichte ist noch weniger stark betroffen und wird flächendeckend engmaschig beobachtet.“ Erster Borkenkäferbefall zeigt sich aber auch hier schon. Eine Massenvermehrung im nächsten Jahr ist zu befürchten.

Schadholz entnehmen

Aus diesen Beobachtungen zieht der Bürgermeister mehrere Konsequenzen: Zum einen müssen ersten Schätzungen nach etwa 2000 Festmeter und damit etwa drei Viertel eines planmäßigen Jahreshiebssatzes entnommen werden, und zum anderen müsse das schnell geschehen. „Durch die Totholzanteile in den Baumkronen v.a. bei der Buche brechen Äste herab und gefährden Waldarbeiter, Spaziergänger, den Publikumsverkehr am Sportheim und im Waldkindergarten und auch Menschen, welche auch unterschiedlichsten Gründen die betroffenen Waldbereiche betreten, erklärte er. „Allein aus Haftungsgründen müssen wir die betroffenen Bäume fällen oder ein Betretungsverbot aussprechen. Der zweite Grund ist die Wirtschaftlichkeit: Das Holz ist jetzt noch intakt und kann zu einigermaßen guten Preisen verkauft werden.“ Die Situation erfordere umfassende Maßnahmen. Man sei auf die Forstverwaltung zugegangen und habe ein Nutzungskonzept angefordert. Als Ausgleich setzt die Gemeinde Neunkirchen das sog. Alt- und Totholzkonzept. Dieses wird bereits seit über 10 Jahren umgesetzt. Hier werden größere Waldflächen stillgelegt und dazwischen Habitatsbaumgruppen ausgewiesen, welche als Trittsteine für Flora und Fauna dienen sollen. Außerdem wolle man den Wald auf klimaresistente Baumarten wie Eiche, Douglasie, Baumhasel und Nussbäume umstellen. Die Buche werde auf lange Sicht nicht mehr die Hauptbaumart sein.

Dürreschäden im Wald Sommer 2026
Dürreschäden im Wald Sommer 2026

Entscheidung für raschen Einschlag 

Gemeinderat Dr. Andreas Spohrer wies auf eine Untersuchung der forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt BW hin, nach der ein massiver Eingriff in Dürrefelder eher kontraproduktiv sei. Bürgermeister Knörzer sah jedoch allein aus haftungsrechtlichen Gründen keine Alternative zum Fällen absterbender Bäume. Die Planung der Forsteinrichtung müsse also 2026 überschritten werden, eventuell könne man aber diesen Mehrertrag in den kommenden Jahren durch Minderentnahmen ausgleichen und dadurch im Zehnjahresziel bleiben. Die Abstimmung über den zügigen Einschlag von Schadhölzern ergab acht Jastimmen, ein Nein und eine Enthaltung und ist somit angenommen. 

Klimapakt mit dem Land BW 

Die Emission von Treibhausgasen reduzieren und den kommunalen Gebäudebestand energetisch sanieren – das ist das Ziel des Klimapaktes, den das Land Baden-Württemberg mit den kommunalen Landesverbänden geschlossen hat. Die Gemeinde Neunkirchen hat mit der Errichtung des kommunalen Nahwärmenetzes ein starkes Zeichen für den Klimaschutz gesetzt. Als nächstes Vorhaben plant die Gemeinde, die Turnhalle der Grundschule energetisch zu sanieren. Dabei soll das Bundes-Förderprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ helfen, das dieses Projekt schon in seine Vorauswahl aufgenommen hat. Für die Sanierung des Gesamtgebäudes soll eine BAFA-Förderung und zusätzlich eine Landesförderung durch „Klimaschutz-Plus“ beantragt werden. Damit sollen Fassade, Dach und Fenster erneuert und die Gebäudehülle energetisch optimiert werden. Um in den Genuss von Landesfördermitteln zu kommen, ist eine unterstützende Erklärung zum Klimapakt notwendig. Der Gemeinderat beschloss einstimmig, diese unterstützende Erklärung abzugeben. 

Feuerwehr, Standesamt und kommunale Unternehmen 

Die Freiwillige Feuerwehr Neunkirchen benötigt neues Equipment, da die bisher genutzten Atemschutz-Vorrichtungen nicht mehr TÜV-fähig sind. Nach einer Ausschreibung haben drei Firmen Angebote über acht Atemschutzgeräte, 22 Atemschutz-Vollmasken und 16 Atemschutz-Überdrucklungenautomaten abgegeben. Der Gemeinderat beschloss einstimmig, den Auftrag für knapp 30.000 Euro brutto an den wirtschaftlichsten Anbieter, die Firma Massong in Frankenthal, zu erteilen. Die Standesämter im Gemeindeverwaltungsverband helfen sich gegenseitig aus, wenn in der eigenen Gemeinde standesamtliche Beurkundungen notwendig werden und die eigenen Standesbeamten krank oder in Urlaub sind. Als weiterer Ersatzstandesbeamter wird Phileas Reznik aus Schwarzach bestellt. Die Gemeinde Neunkirchen hält Beteiligungen an verschiedenen Unternehmen des privaten Rechts, entweder pflichtgemäß wie beim Abwasserzweckverband oder freiwillig wie beim Regionalen Rechenzentrum Heidelberg, bei der Volksbank Neckartal eG, bei der Forstlichen Vereinigung Odenwald-Bauland eG und beim Badischen Gemeindeversicherungsverband. Bürgermeister Bernhard Knörzer stellte die einzelnen Beteiligungen vor, die alle recht überschaubar sind. Detaillierte Informationen sind in den Unterlagen zur Gemeinderatssitzung auf der Webseite der Gemeinde einsehbar. Aus nichtöffentlicher Sitzung vom 23. Juli 2026 gab der Bürgermeister bekannt, dass der Bürgermarkt Neunkirchen für das Geschäftsjahr 2025 mit einem Beitrag unterstützt wird. Der Pachtvertrag mit der Kreislaufwirtschaft Neckar-Odenwald wurde aufgehoben und ein Änderungsvertrag zur Vereinbarung über gemeindliche Grüngutannahmestellen geschlossen. 

Fragen der Gemeinderäte und des Publikums 

Zum Abschluss der Sitzung erklärte Bernhard Knörzer auf Nachfrage, dass die Bebauungsplanung für den Solarpark abgeschlossen sei. Derzeit werden die Flächen gepflegt, bis ein Betreiber gefunden werden kann. Ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Neckarkatzenbach lobte die schnelle Beseitigung des Mülls vor dem Anwesen Krebsbachweg 1 durch den Bauhof. Das Anwesen wurde von der Gemeinde erworben, zunächst als Lagerplatz im Rahmen der Krebsbach-Renaturierung genutzt und soll danach verkauft werden. 

Aktuelle Informationen des Bürgermeisters 

- Die Baumaßnahme Kleine Straße ist beendet, sodass die Straße im Herbst offiziell an die Bewohner übergeben werden kann. Der Ausbaustandard und die handwerkliche Ausführung sind hervorragend. 
- In der nächsten Woche soll mit der Errichtung der Bushaltestelle am Spielplatz „Hummelwiese“ begonnen werden. 
- In Neckarkatzenbach ist der erste Bauabschnitt der Hochwasserschutzmaßnahme, also die Renaturierung Krebsbach, in vollem Gang. Die neuen Bachläufe sind hergestellt und mit Steinen, Stöcken und Grassoden versehen. Der zweite Bauabschnitt mit der Straßenbegradigung und dem Hochwasserschutz beginnt voraussichtlich noch in diesem Jahr; die Fertigstellung ist im Frühjahr 2027 geplant. Während der Straßenbauarbeiten ist eine Straßensperrung unumgänglich. 
- Im Bauabschnitt 1 ist die Verlegung von Glasfaser fast abgeschlossen. Jetzt folgen die Straßen Am Eichwald und Karlstraße, danach die Straßen Am Kirschbaum, Waldstraße und im Anschluss der Kernort. Wer sich für neu für einen Anschluss entscheidet, sollte rasch abschließen, denn ab 1. Oktober wird eine Gebühr erhoben.