Aus dem Gemeinderat, 29.07.2026

04.08.2026

Der Waldumbau ist in vollem Gang

Gemeinderat Neunkirchen beschloss Forsteinrichtung für die nächsten 10 Jahre

Als Waldbesitzer stellt die Gemeinde Neunkirchen hohe Anforderungen an den eigenen Forst – umso mehr, weil das Holz aus dem Gemeindewald jetzt auch als Brennstoff für die Neunkirchener Nahwärme dient. Bei einer gemeinsamen Waldbegehung informierten sich die Räte über den Zustand des Waldes und setzen Ziele für seine Nutzung fest. 

Waldbegehung des Gemeinderats, 29.07.2026
Waldbegehung des Gemeinderats, 29.07.2026

Ortstermin im Wald: Revierleiter Dominik Ernst (2.v.l.), Forsteinrichter Frank Tröger (3.v.l.), Bürgermeister Bernhard Knörzer und Forstbetriebsleiter Steffen Meyer (mit Karte) informierten den Gemeinderat über die Planung der nächsten zehn Jahre.

Forstliche Betriebsplanung 
Bürgermeister Bernhard Knörzer stellte zu Beginn der außerordentlichen Gemeinderatssitzung fest, dass der Neunkirchener Gemeindewald mit einer Fläche von 467 Hektar zum einen eine gute naturräumliche Ausstattung habe, gleichzeitig aber einen Waldumbau durchlaufe, um für den Klimawandel gerüstet zu sein. Zur Sicherung einer nachhaltigen Waldwirtschaft habe das Regierungspräsidium Freiburg als zuständige Fachbehörde eine forstliche Betriebsplanung, die so genannte Forsteinrichtung, erarbeitet. Auf dieser Grundlage wurden die Daten zur Holznutzung und Waldpflege erstellt. 

Diversität der Baumarten 
Frank Tröger, Forsteinrichter des RP Freiburg, stellte diese Daten vor und nahm die Gemeinderäte zu einer Waldbegehung mit, bei der verschiedene Waldbilder diskutiert wurden. Auch Steffen Meyer, Forstbetriebsleiter des Neckar-Odenwald-Kreises, und Revierleiter Dominik Ernst waren mit dabei und gaben Auskunft. Von den Baumarten her sei der Neunkirchener Gemeindewald sehr divers mit etwa einem Drittel Buche als Hauptbaumart, 16 % Fichte, je 11 % sonstige Laubbäume und Lärche, 9 % Douglasie und 8 % Eiche. Nach den heftigen Stürmen in den Jahren 1990 und 2000 habe man sehr viele junge Bäume bis zum Alter von 40 Jahren im Bestand. Damit wachse in den jungen und mittelalten Wäldern ein Holzvorrat an. 

Jungbaumpflege
Die erste Station der Waldbegehung führte die Gemeinderäte an eine Waldfläche, die durch Nutzung des Altbestandes verjüngt worden war. Mittlerweile ist ein stufiger Jungbestand mit unterschiedlichen Baumarten herangewachsen, die jetzt gefördert wurden. Das bedeute, so Steffen Meyer, dass die jungen Buchen, die sich normalerweise durchsetzen, an einigen Stellen entnommen werden, damit andere Baumarten wie die Eiche, Kastanie und Douglasie eine Chance zum Wachsen haben und später den klimastabileren Wald bilden können.  Die Verjüngung der Waldbestände sei ein sehr wichtiges Thema, erklärte Frank Tröger.

Ein Großteil der Altbestände sei schon vorausverjüngt, das bedeute, dass unter Altbäumen schon jüngere Bäume wachsen. Dabei habe die Naturverjüngung im Gemeindewald Neunkirchen das Potenzial, mehr als zehn Baumarten hervorzubringen, was eine großartige Entwicklung sei. Dies vor allem auch dadurch, dass die Wurzelentwicklung von naturverjüngten Bäumen viel tiefer in den Boden gehe als vom Menschen gepflanzte Bäume und somit viel klimastabiler sei, erläuterte Bürgermeister Knörzer dem Gremium.

Altbestände und Bodenpflege 
In einer zweiten Station betrachtete der Gemeinderat die Altbestände im Neunkirchener Gemeindewald. Die Bäume sind mittlerweile 30 bis 35 Meter hoch, 140 bis 160 Jahre alt und sollen moderat genutzt werden. Der Förster beobachtet die Vitalität und die Durchmesser der Bäume genau. Dabei werde großer Wert auf den Bodenschutz gelegt. Regelmäßige Rückegassen, Sorgfalt und Planung der Fällarbeiten und der Einsatz geeigneter Maschinen wirken Schäden an benachbarten Bäumen und der Bodenverdichtung entgegen. 

Thermische Verwertung 
Ehemalige Windwurfflächen der Orkane Vivian und Wiebke aus den Jahre 1990 wurde von Fichten- auf Eichen- und Tannenbewuchs umgestellt. Bedingt durch das tiefgreifendere Wurzelwachstum der Folgebaumarten sollen stabilere Bestände herangezogen werden. Der Bestand wurde in diesem Frühjahr das erste Mal regulär durchforstet und durch Rückegassen erschlossen. Durch die Möglichkeit der thermischen Verwertung im Neunkirchener Heizkraftwerk können auch schwache Hölzer sinnvoll verwertet werden, erklärte Bürgermeister Knörzer. Dies sei ein großer Vorteil für die Wirtschaftlichkeit des Waldes. Immerhin bis zu 30 Prozent der aufgearbeiteten Holzmassen sollen zukünftig thermisch verwertet werden. 

Waldrefugien 
Als Ersatz für entnommene alte Bäume richtet die Forstverwaltung Waldrefugien ein. Das sind Waldflächen, die aus der Nutzung herausgenommen werden und sich selbst überlassen bleiben. Hier finden Spechte und Fledermäuse Wohnhöhlen. Durch die Verteilung der Refugien über die Waldfläche finden auch seltene Tier- und Pflanzengesellschaften sogenannte „Trittsteine“, die das Überleben sichern. Tiere wie Rehe und Wildschweine müssten dagegen jagdlich „im Griff“ gehalten werden, damit sie die baumartenreichen Verjüngungsflächen nicht verbeißen und somit unwiderruflich schädigten. 

Wirtschaftlichkeit, Wasserschutz und Erholungsfunktion 
Mit den Waldflächen seien viele Funktionen verknüpft wie der Wasser-, Klima- und Bodenschutz, die Erholungsfunktion für die Menschen und die Wirtschaftlichkeit, so Frank Tröger. Diese Funktionen gelte es zu beachten und zu planen. Für die nächsten zehn Jahre beinhaltet die forstliche Planung etwa 31.000 Kubikmeter Holznutzung und den Waldumbau von Hochrisiko-Fichtenbeständen hin zu stabilen Mischbeständen. Der Gemeindewald soll konsequent durchforstet und gepflegt werden. Dabei setzt man vor allem auf natürliche Verjüngung, Einbringung von Mischbaumarten durch Pflanzung, Jungbestandspflege und Astung einzelner Bäume zur Wertsteigerung. Dies werde zu hohen Aufwendungen führen, die Ernte von wertvollem und reifem Holz bei geplanter Nutzung könne jedoch die Investitionen ausgleichen, so das Fazit des Forsteinrichters. 

Der Gemeinderat nahm den Forsteinrichtungsplan für die nächsten zehn Jahre einstimmig an. Dabei wird es eine Zwischenrevision und Nachsteuerung nach fünf Jahren geben.