Aus dem Gemeinderat, 29.01.2026
04.02.2026
Hallensanierung und Digitalisierung

Gemeinderat Neunkirchen beschloss Investitionen
Über den Sanierungsstau an der Turnhalle berichtete Bürgermeister Bernhard Knörzer in der Januarsitzung des Neunkirchener Gemeinderats: Nicht nur das Dach und die Außenhülle müssen erneuert werden, sondern auch die sanitären Anlagen, der Hallenboden und die Sportgeräte. „Außer einem Anbau in den 1990er-Jahren gab es seit den 1970ern keine Veränderung mehr“, berichtete er. Daher habe die Verwaltung sofort auf die Ausschreibung einer Bundesförderung „Sanierung kommunaler Sportstätten“ in Gesamthöhe von 333 Mio. Euro reagiert und zum Stichtag 15. Januar 2026 ihr Interesse an einer solchen Förderung bekundet. Nun fehle noch der Gemeinderatsbeschluss, um an die begehrten Fördergelder zu kommen und damit einen Großteil der Investition abdecken zu können.
Energetische Sanierung spart laufende Kosten
Eingeladen war Architekt Thomas Müller aus Aglasterhausen, der noch rasch zwischen den Jahren eine Bauvorplanung zusammengestellt hatte und über deren Details informierte. Gerade bei der Gebäudehülle müsse man die energetische Sanierung zusammen mit dem Schulgebäude angehen. Dabei sei mindestens der Effizienzstandard 85 zu erreichen, der 15 Prozent weniger Energie verbraucht als vom Gebäudeenergiegesetz vorgeschrieben. Für den Anteil der Turnhalle könne man laut Energieberater Keller eventuell sogar den Effizienzgebäude-Standard 70 erreichen, was sich positiv auf die Bewertung der Projektskizze auswirke. Dabei sei die geplante Nahwärmeversorgung der Halle aus regenerativen Energien ein großes Plus. Dazu komme die Dachsanierung, die Erneuerung der Fenster und die Dämmung der Außenwände. Im Bereich der Fassade aus Sandstein sei eine Innendämmung vorgesehen. Außerdem solle die Halle mit energiesparender LED-Beleuchtung ausgestattet werden.
Erneuern und erweitern
Dusch- und Waschräume seien zu erneuern, die Elektroinstallation zu ertüchtigen, der Bodenbelag auszutauschen und Turngeräte zu ersetzen. Um einen benötigten Raum für die Turngeräte zu erhalten, soll der Hallenanbau erweitert werden. Auf diese Weise erhalte man auch einen zweiten Umkleideraum mit WC und Duschen. Diese können auch von den Kindern der Kernzeitbetreuung genutzt werden. Allerdings gliedere sich der Anbau in zwei Bereiche mit unterschiedlichen Bodenniveaus. So sei die Halle für Veranstaltungsbesucher barrierefrei zugänglich, nicht aber für die Sportler.
Barrierefreiheit
Dazu stellte Gemeinderätin Lara Schwindt die Frage, ob man die unterschiedlichen Niveaus angleichen, einen Aufzug oder einen Treppenlift einbauen könne. Schulkinder mit Gehbehinderung müssten derzeit aus der Umkleide heraus- und über die Eingangstür wieder ins Gebäude hineingehen. Im Sinne der Barrierefreiheit wäre es wünschenswert, dieses Problem gleich mit anzupacken. Dies sei schwierig, aber man wolle das Thema überdenken, entgegnete Bürgermeister Knörzer.
Kosten und Fördersumme
Insgesamt beläuft sich der Turnhallen-Anteil des Projektes auf etwa 995.000 Euro, wobei der Bundesanteil bis zu 45 Prozent dieser Summe abdecken würde. Im Fall einer bestätigten Haushaltsnotlage – diese liegt für Neunkirchen vor – kann mit einem Fördersatz von 75 Prozent gerechnet werden. Damit hätte die Gemeinde noch 248.750 Euro zu tragen, verteilt auf zwei Jahre (63.800 Euro im Jahr 2026, 184.933 Euro im Jahr 2027). Davon unabhängig beträgt die geplante Investitionssumme für die energetische Sanierung der Schule ohne die Turnhalle 600.548 Euro. Dafür gibt es ein gesondertes Förderprogramm der KfW-Bankengruppe.
Investition bei knapper Kasse
In der Diskussion über das Projekt gab die Gemeinderätin Katharina Werner zu bedenken, dass angesichts der Haushaltslage größere Investitionen eigentlich nicht machbar seien. Bürgermeister Knörzer wies jedoch auf die Bedeutung der Halle als einzige Sport- und Versammlungsstätte in Neunkirchen hin: Man müsse hier investieren, schon einmal aus haftungsrechtlichen Gründen. Dies bedeute, dass die Gemeinde ggf. auch einen Kredit aufnehmen müsse. Architekt Thomas Müller bekräftigte, dass ohnehin in den nächsten fünf Jahren eine Sanierung der Außenhülle mit einer Investitionssumme von etwa einer Million Euro anstehe. Rechnungsamtsleiterin Judith Kuhn wies auf das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität des Bundes hin, aus dem Neunkirchen etwa 1,2 Mio. Euro erhält. Falls dieses Geld nicht mit dem Turnhallenprojekt kombiniert werden könne, werde es doch den Haushalt der Gemeinde bei einem anderen Projekt entlasten. Der Beschluss, eine Förderung des Sportstätten-Sanierungsprogramms zu beantragen, fiel einstimmig ohne Enthaltungen. Die Projektskizze muss sofort eingereicht werden; die Entscheidung über eine Zuwendung wird voraussichtlich im März fallen.
Digitalisierung der Ratsarbeit
In mehreren vorausgegangenen Sitzungen ging es schon um die Digitalisierung der Gemeinderatsarbeit. Hauptamtsleiter Ralf Lenz stellte nun einen aus seiner Sicht maßgeschneiderten Lösungsansatz zur Diskussion. Es besteht aus einem Sitzungsdienst- und Ratsinformationssystem sowie Gemeinderats-Tablets. Das Ratsinformationssystem solle alle für die Gemeinderatsarbeit nötigen Informationen und Dokumente bereitstellen und die Bürger über Sitzungen und deren Ergebnisse informieren. Dies werde über eine Software-Komponente ermöglicht. Nach guten Erfahrungen mit dem Dokumentenmanagementsystem der Firma regisafe schlage die Verwaltung deren Ratsinformationssystem zu Gesamtkosten von etwa 12.500 Euro plus monatlichen Kosten von 315 Euro vor. Zusätzlich werden zwölf Tablets benötigt, die für 6.540 Euro plus 3.300 Euro Einrichtungs- und Verwaltungskosten von der Firma Macro Computer Mosbach angeboten werden. Dazu kommen jährliche Wartungskosten von insgesamt 212 Euro.
Gemeinderat Jan Kellner wollte vor einer Entscheidung belastbare Zahlen für die Einsparung von Papier und Arbeitsaufwand sehen, während andere Gemeinderatsmitglieder und auch die Verwaltung die Diskussion für abgeschlossen erachteten. Mit neun Ja- und einer Neinstimme wurde die Anschaffung des Systems und der Geräte beschlossen.
Resolution zum Klinikstandort Mosbach
m nächsten Punkt ging es um die bekannte finanzielle Schieflage der Neckar-Odenwald-Kliniken mit einem Defizit von 67,5 Mio. Euro in den vergangenen zehn Jahren. Das Gutachten des Beratungsunternehmens Lohfert & Lohfert aus Hamburg schlägt tiefgreifende strukturelle Eingriffe vor: Die stationäre Versorgung solle auf den Standort Buchen verlagert und der Standort Mosbach zu einem sektorenübergreifenden Versorger (süV) herabgestuft werden – was auch immer das bedeutet.
Um die medizinische Versorgung zu sichern, haben die Gemeinden Aglasterhausen, Schwarzach und Neunkirchen eine Resolution vorbereitet. Die Resolution weist auf die überdurchschnittlich alternde Bevölkerung und einen bestehenden Ärztemangel hin. Um gleichwertige Lebensverhältnisse im ländlichen Bereich zu erhalten, brauche man den Krankenhausstandort Mosbach. Man könne sich auch nicht auf nahe gelegene Kliniken wie Eberbach und Sinsheim berufen, da strukturelle Veränderungen auch dort nicht ausgeschlossen werden könnten. Zudem müsse eine Notaufnahme rund um die Uhr erreichbar bleiben, was ohne Klinikstatus nicht mehr gegeben sei. Daher fordert die Resolution den Aufsichtsrat und die Geschäftsführung der Neckar-Odenwald-Kliniken, den Kreistag des Neckar-Odenwald-Kreises und das Land Baden-Württemberg auf, sich zum Erhalt und zur Stärkung des Klinikstandorts Mosbach zu bekennen.
Bürgermeister Knörzer beklagte einerseits die ausufernde Kostensituation mit einer immer weiter ansteigenden Kreisumlage, andererseits müsse die medizinische Versorgung der Gemeinden im Kleinen Odenwald gewährleistet bleiben. Man müsse eine Lösung finden, welche sachorientiert herbeigeführt wird und den Klinikstandort Mosbach bestmöglich erhält. Daher stellte er die Resolution zur Abstimmung, die einstimmig ohne Enthaltungen befürwortet wurde.
Beschlüsse aus nicht öffentlicher Sitzung
Es gab auch Beschlüsse aus nicht öffentlicher Sitzung zu vermelden: Ein Kommunaldarlehen soll beim günstigsten Anbieter abgeschlossen werden und dem Abschluss eines weiteren Kommunaldarlehens nach Zinsablauf wurde zugestimmt. Außerdem beschloss der Gemeinderat die Verleihung der Ehrennadel der Gemeinde Neunkirchen in Gold an Karlheinz Diemer, die schon beim Neujahrsempfang an ihn überreicht wurde.
Informationen des Bürgermeisters
- Neuer Sitzungstermin zum Beschluss der Forsteinrichtung mit Waldbegehung: Freitag, 13. März 2026, 15 bis 18 Uhr im Sängerheim (ehemaliges Tennisheim)
- Die Straßenbaubehörde hat die Sanierung der Landesstraße 633 Neckarkatzenbach – Guttenbach schon für das Frühjahr 2026 in Aussicht gestellt. Damit muss die Gemeinde rasch die Ausschreibung für die Sanierungsmaßnahmen Renaturierung Krebsbach und Geröllfang in Neckarkatzenbach um die Kurvenbegradigung der L633 erweitern.
- Ganz frisch ist die Zusage des Landes-Förderprogramms LEADER, die Umwandlung der bisherigen Tennisplätze in Padel-Courts und Boule-Spielfelder zu bezuschussen. Damit wird Neunkirchen als erste Gemeinde im Neckar-Odenwald-Kreis die Trendsportart Padel anbieten.
- Es gibt ein landesweites Förderprogramm zur Unterstützung, zum Erhalt und zur Entwicklung der Streuobstbestände Baden-Württembergs. Gefördert wird der fachgerechte Schnitt von Streuobstbäumen. Pro Baumschnitt kann ein Zuschuss von 18 Euro gewährt werden. Mit einem Sammelantrag beim Wirtschaftsministerium (Förderprogramme) kann ab sofort die Aufnahme in das Förderprogramm (auch durch private Grundstückseigentümer) beantragt werden. Die Gemeinde wird sich mit ihren Streuobstbäumen wieder an dem Förderprogramm beteiligen.
